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 Ein Wurf für die Ewigkeit

MEDIENPREISVORSCHLAG 5: Sebastian Dietz, Goldmedaillengewinner bei den Paralympics
VON WALTER DOLLENDORF
 
Sebastian Dietz winkt bei der Siegerehrung nach dem Sieg im Diskuswurf bei den Paralympics in London mit dem Blumenstrauß in der Hand und der Goldmedaille um den Hals den Zuschauern im Olympiastadion zu.
Gerührt | FOTO: GETTY IMAGES
 
Herford. Die erfolgreichsten Sportlerinnen, Sportler und Mannschaften des Jahres 2012 werden am Freitag, 18. Januar, bei der Sportgala des Stadtsportverbandes im Stadtpark Schützenhof geehrt. Neue Westfälische und Radio Herford stiften wie in den vergangenen Jahren den Medienpreis.


Die Leser der Neuen Westfälischen und die Hörer von Radio Herford entscheiden, wer diesen Preis am 18. Januar bekommen soll. Abgestimmt wird im Internet unter www.nw-news.de/sportgala. Nominiert worden ist Sebastian Dietz, Weltrekordler und Goldmedaillengewinner im Diskuswurf bei den Paralympics in London. 

Es ist ein schöner Spätsommertag in London. Der Wettkampf im Diskus-Wurf bei den Paralympics in der britischen Hauptstadt beginnt am ersten Montag im September bereits um 11.30 Uhr; trotz des frühen Beginns an einem Werktag sorgen 80.000 Menschen im prall gefüllten Olympiastadion für "Gänsehaut-Stimmung", wie Sebastian Dietz später sagen wird. Der Weltrekord-Inhaber in seiner Schadensklasse, der den Diskus bei einem Meeting in Hannover ein paar Wochen vor den Paralympics auf die Bestmarke von 39,72 Metern geschleudert hat, gilt als einer der Mitfavoriten. "Doch an Gold habe ich in meinen kühnsten Träumen nicht gedacht", sagt Sebastian Dietz. 

Aber es wird der Wettkampf seines Lebens. Dietz führt von Beginn an, wird zwischenzeitlich kurz von einem Rivalen überholt, erzielt im dritten Versuch 38,54 Meter. Diese Weite schaffen seine ärgsten Rivalen Oleksi Pashkov aus der Ukraine (37,89 Meter, Silber) und Wang Wenbo aus China (37,87 Meter, Bronze) nicht mehr. Bei der Siegerehrung wird Sebastian Dietz von seinen Gefühlen übermannt, Tränen fließen. "Das ist ein ganz großer Moment für mich. Ich danke allen, die zu mir gehalten und mich unterstützt haben", sagt Dietz, der in Herford wohnt und für den Bünder Verein SV SW Ahle startet, unmittelbar nach dem Wettkampf.

Rückblende: Der 27. September 2004 ist ein Montag und der Tag, der das Leben des damals 19-jährigen Sebastian Dietz auf den Kopf stellen wird. Das Auto, das der talentierte Fußball-Torwart lenkt, gerät ins Schleudern und prallt in den Gegenverkehr. Ein Mensch stirbt, Dietz überlebt schwer verletzt. Unter anderem sind ein Halswirbel, ein Brustwirbel, beide Schulterblätter und zwei Rippen gebrochen. Er wird im Unfallklinikum Mannheim operiert, die Ärzte machen der Familie wenig Hoffnung, dass Sebastian jemals wieder laufen kann. "Ich hatte mir damals eine ähnliche Verletzung wie vor einiger Zeit der Wetten-Dass-Kandidat Samuel Koch zugezogen", sagt Dietz.Vor seinem Unfall galt er als eines der größten Fußball-Talente in seiner Heimat Neustadt an der Weinstraße. Er spielte in der Jugend in der Südwest-Auswahl, wurde in die Jugend-Nationalmannschaft berufen. Wegen eines Schlüsselbeinbruchs kam ein Einsatz allerdings nicht zustande. Schon als A-Jugendlicher war er Stammtorwart der 1. Mannschaft des VfL Neustadt. "Ich hatte gute Angebote von Regionalligisten und war auch bereit, den nächsten Schritt machen." 

Doch nach dem Unfall ist die hoffnungsvolle Fußball-Karriere vorbei. Sebastian Dietz kämpft darum, sich wieder bewegen zu können. Er wird nach Ludwigshafen verlegt. "Dort bekam ich eine richtig gute Nachsorge." Er zwingt eine Krankenschwester, mit ihm immer wieder das Laufen zu üben. Die ersten Erfolgserlebnisse stellen sich irgendwann ein. "Es fing damit an, dass ich wieder drei, vier Meter gehen konnte. Nein, es war mehr ein Schlurfen, aber es war für mich ein großer Ansporn, weiter zu machen." Sebastian Dietz bleibt halbseitig gelähmt, kann aber nach elf Wochen wieder gehen. Er arbeitet weiter monatelang in der Reha. 

Fußball spielen kann er nicht mehr; dass ihm der Sport trotzdem eine Perspektive gibt, so schildert es Sebastian Dietz, sei seiner Mutter zu verdanken. Sie macht ihn auf die Internetseite von Wojtek Czyz, einem der erfolgreichsten deutschen Behindertensportler, aufmerksam. Eine Bekanntschaft entsteht. 

Über Czyz bekommt Dietz auch Kontakt zum TV Wattenscheid, einem der bekanntesten deutschen Leichtathletik-Vereine. Im Dezember 2004 wechselt der Pfälzer ins Ruhrgebiet, feiert schnell erste Erfolge im Diskuswurf und im Kugelstoßen und wird 2005 in die Nationalmannschaft berufen. Seine Leichtathletik-Karriere verläuft aber nicht ohne Tiefs. Bei der Weltmeisterschaft 2006 werden Schadensklassen zusammengelegt, so dass Dietz gegen Athleten antreten muss, die weit weniger behindert sind als er. Die Folge ist, dass er bei der WM die selbst gesteckten Ziele nicht erreicht. "Ich bin dann sofort aus dem Kader geflogen und dann auch in ein Loch gefallen, so dass ich zwischenzeitlich keine Lust mehr auf die Leichtathletik hatte", sagt Dietz. Über seine damalige Lebensgefährtin, die Fußball spielt, kommt er zum FSV Sevinghausen, wo sie eine Jugendmannschaft trainiert. Auch Dietz übernimmt bei diesem Verein Nachwuchsmannschaften als Trainer und frönt damit wieder seiner Fußball-Liebe. Die 

Paralympics 2008 in Peking verpasst er. "Nachdem ich in Peking nicht starten konnte, habe ich mir gesagt: Du gibst jetzt Vollgas und bist 2012 in London dabei."

Als die damalige Freundin nach Herford zieht, kommt Sebastian Dietz mit von der Ruhr an die Werre. Hier lernt er den Diplom-Sportlehrer Alexander Holstein kennen. Der ist selbst ein exzellenter Diskuswerfer und betreibt in Bad Salzuflen zusammen mit Eyyüp Özgün ein Fitness-Studio, in dem es auch ein Netz für das Stoß- und Wurftraining gibt. Mit Holstein und Özgün arbeitet Dietz an seiner Technik. Drehen kann sich Dietz im Wurfkreis nicht. Er schleudert den Diskus aus der Schnellbewegung des rechten Arms und des Oberkörpers heraus. Bei der WM 2011 in Neuseeland wird er Fünfter im Diskuswurf und Vierter im Kugelstoßen. Danach werden Dietz’ Leistungen immer besser. Er konzentriert sich fortan auf den Diskuswurf, weil Kugelstoßen in London nicht im Programm ist.Seit Anfang des Jahres 2012 startet Dietz für den SV Ahle; auch als Fußball-Trainer ist er in der Region tätig, "seine" Frauen des SC Enger spielen in der Landesliga. Die sitzen am Fernsehgerät, als sich ihr Coach Anfang September in London zu Gold wirft. Betreut wird Dietz vor Ort von der ehemaligen Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius, die als Trainerin beim Deutschen Behinderten-Sportverband arbeitet. 

Ihr und seinen beiden Heimtrainern Holstein und Özgün dankt Dietz immer wieder bei den zahlreichen Interviews, die er nach seinem Triumph gibt. Nach der Rückkehr bereiten ihm die SCE-Fußballerinnen einen begeisternden Empfang, beim Empfang der britischen Streitkräfte in Herford ist er Ehrengast, im Rathaus trägt er sich ins Goldene Buch ein, in Dortmund überreicht ihm Ministerin Ute Schäfer die Sportehrenmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen. Zu einer Ehrung des Bundespräsidenten Joachim Gauck, der den Medaillengewinnern das Silberne Lorbeerblatt überreicht, wird Dietz aber nicht eingeladen, weil er wegen seiner Unfall-Beteiligung sowie einer nicht bezahlten Rechnung kurz vor der Insolvenz seiner Firma zwei Mal von einem deutschen Gericht verurteilt wurde. "Jeder hat schon mal Fehler gemacht. Doch dass die mir nach so vielen Jahren noch nachgetragen werden, macht mich traurig", sagt Dietz. Trotzdem will er weiter im deutschen Nationaltrikot auf Weitenjagd gehen. Fernziel sind die 

Paralympics 2016 in Rio de Janeiro. In diesem Jahr hofft Sebastian Dietz auf einen spektakulären Wettkampf. Anfang September will er beim ISTAF in Berlin gegen Robert Harting, seinem Goldmedaillen-Kollegen von London, antreten.

 

 

Der Goldjunge ist zurück
Großer Empfang für Paralympics-Goldmedaillengewinner Sebastian Dietz in Enger
VON ULRICH FINKEMEYER
 
Einen riesigen Empfang gab es gestern Abend beim SC Enger für Sebastian Dietz, der bei den Paralympics in London Gold mit dem Diskus gewonnen hatte.
Inmitten der Fans | FOTO: ULRICH FINKEMEYER
 
Enger. Eigentlich sollte am Mittwochabend um 19 Uhr für Paralympics-Goldmedaillen-Gewinner Sebastian Dietz das erste Training nach seiner Rückkehr aus London mit den von ihm gecoachten Landesliga-Fußballerinen des SC Enger nach seiner Rückkehr aus London beginnen. Da hatten sich die Spielerinnen etwas ausgedacht, dass den Trainingsauftakt auf einen etwas späteren Zeitpunkt verschob. "Schließlich wollen wir Basti erst einmal gebührend empfangen", sagt Anika Grothaus.


Die SCE-Mannschaftsführerin hat mit ihren Kameradinnen ein Lied einstudiert, welches von Mara Lukenbach nach der Melodie "An Tagen wie diesen" (von den Toten Hosen) getextet wurde. Entsprechend groß war die Aufregung am Abend, schließlich sollte das Lied auch sitzen. Die Sorge, Sebastian Dietz würde pünktlich mit dem Training beginnen, war unbegründet. Ein offizieller Termin hatte ihn zuvor noch vom Sportplatz an der Kaiserstraße ferngehalten. 45 Minuten über die Zeit kam der für den SV SW Ahle startende Diskuswurf-Sieger von London mit seiner Sporttasche in der Hand um die Ecke. Die fiel ihm sogleich zu Boden. Aus rund 60 Kehlen tönte es: "So einen wie Basti, trifft man nicht überall – bringst uns Gold nach Haus, nach Haus."

Die Fußballerinnen des SC Enger komponierten ein Loblied auf Parlympics-Goldgewinner Sebastian Dietz und trugen es schwungvoll vor.
Singen für ihren erfolgreichen Trainer
 
Sichtlich überrascht und gerührt, fehlten dem Heimkehrer die Worte. "Vielen Dank, dass ihr hinter mir gestanden habt. Gerne komme ich jetzt nach Hause." Sebastian Dietz fühlt sich wohl beim SC Enger. Das sieht man ihn an. Und im Verein sind sie stolz auf ihren Frauen-Trainer, der abseits vom Fußball, "Tolles vollbracht hat". Carsten Sperber, Geschäftsführer des SC Enger, ist voll des Lobes. "Wer hat schon einen Goldmedaillen-Gewinner in seinen Reihen. Wir haben ihn."

Lange zog sich die Gratulationstour für den Diskus werfenden Fußball-Trainer hin. Vorstandsmitglieder, die weibliche B-Jugend und noch jüngere Spielerinnen, sein komplettes Damenteam mit Komponistin Mara Lukenbach an Krücken. "Habe versucht, Fußball zu spielen – ist ein wenig schief gegangen", sagte die SCE-Spielerin. "Ich glaube, ich habe noch nicht so viele Freunde umarmt wie hier und heute", freute sich Sebastian Dietz von Herzen. Und in den letzten Tagen? Die Abschlussfeier hat Dietz zusammen mit der deutschen Paralympics-Mannschaft und den anderen Nationenvertreter von Anfang bis Ende live erlebt. "Es war faszinierend. Eine tolle riesige Show. Das vergisst man nicht." Vergessen wird Sebastian Dietz auch nicht, wie toll das Wiedersehen mit seinen Fußballerinnen inszeniert war. Zum Trainingsauftakt kam es dann nicht mehr. Dietz: "Holen wir alles nach!"
 
 
"Ich möchte so Vielen danken"
INTERVIEW: Sebastian Dietz, Goldmedaillen-Gewinner bei den Paralympics
 
Sebastian Dietz lauscht der Nationalhymne, die bei der Siegerehrung der Paralympics zu Gunsten des Goldmedaillen-Gewinners aus Herford gespielt wird.
Ergriffen | FOTO: BRYN LENNON /GETTY IMAGES
 
London. Sebastian Dietz hat stressige Tage hinter sich. Der 27-jährige, der seit zwei Jahren in Herford wohnt, ist ein gefragter Mann. "Aber es ist schöner Stress", sagt der Athlet, der bei den Paralympics in London die Goldmedaille im Diskuswerfen gewann. Im Gespräch mit Walter Dollendorf lässt er den größten Erfolg seiner Karriere und seine anschließenden Gefühle Revue passieren.

Herr Dietz, wie haben Sie den Wettkampf vor 80.000 Zuschauern im Olympiastadion erlebt?
DIETZ: Als unheimlich geil. Ich habe versucht, mich nur auf mich zu konzentrieren und alles andere auszublenden, schließlich habe ich mich seit Jahren intensiv auf diesen Moment vorbereitet. Dass mein Konkurrent aus China, der am Ende Bronze geholt hat, zwischenzeitlich an mir vorbei gezogen war, habe ich gar nicht mitbekommen.

Seit wann lief die heiße Phase der Vorbereitung?
Info

Sebastian Dietz

Sebastian Dietz war 19 Jahre alt, als er sich bei einem Autounfall im Februar 2004 die Halswirbelsäule brach. 

Der talentierte Fußball-Torwart, der aus Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz) stammt, kämpfte sich mit eisernem Willen durch die Reha, konnte nach elf Wochen wieder laufen, blieb aber halbseitig gelähmt.

Fußball konnte Dietz nicht mehr spielen, aber er betrieb fortan Diskuswerfen und Kugelstoßen als Leistungssport.

Dietz ging zum TV Wattenscheid, einem renommierten Leichtathletikverein. Dort lernte er seine damalige Lebensgefährtin kennen, mit der er 2010 nach Herford zog.

Seit Anfang des Jahres startet er für den SV SW Ahle.

 
DIETZ: Eigentlich schon seit 2008. Seit dieser Zeit war London 2012 mein großer Traum. Dort wollte ich unbedingt starten und dafür habe ich fast täglich gearbeitet.

Bei der Siegerehrung und bei den Interviews unmittelbar nach dem Wettkampf wirkten Sie unheimlich ergriffen und gerührt . . . 
DIETZ: . . . Das bin ich immer noch. Mir ging so viel durch den Kopf, ich möchte so vielen Menschen danken, die immer zu mir gestanden und mich unterstützt haben. Es war einfach ein schöner Moment, als feststand, dass aus dem Traum Wirklichkeit geworden war und ich Gold gewonnen habe. 

Sie dankten im ZDF der ehemaligen Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius, die sie vor Ort betreut hat, aber auch Ihren beiden Heimtrainern Alexander Holstein und Eyyüp Özgün. Welchen Anteil haben sie am Erfolg?
DIETZ: Alex ist der "Macher", Eyyüp ist immer da für mich, wenn Alex mal nicht kann. Training, Training, Training war mein Motto in den letzten Jahren, und mit ihnen habe ich jeden Tag gearbeitet. Sie mussten auch meine Launen ertragen, denn natürlich bin ich nicht immer gut drauf. Das alles zeigt, was ich ihnen zu verdanken habe.

Wie haben Sie die Stunden nach Ihrem Triumph erlebt?
DIETZ: Wir haben im Deutschen Haus gefeiert, aber es blieb alles im Rahmen. Ich war auch nicht betrunken, eher ein wenig angeheitert. Ich habe viele Mails und SMS bekommen, über die ich mich sehr gefreut habe. Natürlich prasselt nach einer Goldmedaille einiges auf einen ein, aber das ist in Ordnung so und auch schön.

Hatten Sie schon Kontakt zu den Fußballerinnen des SC Enger, die Sie trainieren?
Dietz: Ich habe ihnen geschrieben, aber leider noch nicht mit ihnen telefoniert. Dafür fehlte mir bislang einfach die Zeit. Ich konnte eben erst mit meiner Mama, die in Edenkoben lebt, sprechen. Meine Mädels geben mir Kraft, wir haben ein unglaublich gutes Verhältnis. Es ist ein toller Ausgleich, nachdem ich selbst leider nicht mehr kicken kann. Sie haben mir angedroht, dass sich ihr Trainingsverhalten ändert, wenn ich mit leeren Händen aus London zurückkomme. Nun bringe ich Gold mit, also werde ich die Zügel richtig anziehen können (lacht).

Wie erleben Sie die Paralympics?
DIETZ: Die Stadien sind rappelvoll, die Menschen gehen unheimlich mit. Die Leute sind sehr nett und sehr fröhlich. Man hat mir gesagt, dass die Stimmung genau so toll ist wie bei den Olympischen Spielen im Juli/August.

Schauen Sie sich auch andere Wettkämpfe an?
DIETZ: Aber klar. Ich gehe gleich in die Basketball-Halle, werde unter anderem auch noch meine Kollegen des deutschen Leichtathletikteams im Olympiastadion anfeuern und hoffe, bei der Abschlussfeier am Sonntag dabei sein zu können. Wenn ich schon mal hier bin, möchte ich mir auch noch den Buckingham Palace ansehen. Aber ich freue mich auch wieder auf zu Hause und vor allem auf den kommenden Mittwoch, wenn ich in Enger mit meinen Mädels wieder auf dem Trainingsplatz stehen darf.
 
 
Herforder Sebastian Dietz holt Gold im Diskuswurf
38,54 Meter reichen zu Platz eins
 
Diskuswerfer Sebastian Dietz
Goldmedaille gewonnen | ARCHIVFOTO: ALEXANDER JENNICHES
 
Bünde/Herford/London. Der SV SW Ahle hat einen Olympiasieger in seinen Reihen. Diskuswerfer Sebastian Dietz hat bei den Paralympics in London die Goldmedaille gewonnen. Der 27-Jährige gewann mit einer Weite von 38,54 Metern und blieb dabei nur knapp hinter seinem eigenen Weltrekord. Zweiter wurde der Ukrainer Oleksii Paschkov vor dem  Chinesen Wang Wenbo.


Im Interview im ZDF zeigte sich Dietz völlig überwältigt über seinen Erfolg und richtete seinen Dank auch an seinen Heimtrainer Alexander Holstein, mit dem sich Dietz intensiv auf die Paralympics vorbereitet hatte.

 

 

40 Meter sind das magische Ziel
PARALYMPICS: Sebastian Dietz fährt als Medaillenkandidat nach London
VON BJÖRN KENTER
 
Sophie Brockmeier, Theresa Driftmann, Nina Göking und Marie Kneller (v. l.) vom SC Enger verabschieden Sebastian Dietz mit den besten Wünschen für London.
Drücken ihrem Trainer für die Paralympics die Daumen | FOTO: BJÖRN KENTER
 
Bünde. Am kommenden Montag steht für Sebastian Dietz der bislang wohl aufregendste Tag seines Lebens an: Der Leichtathlet vom SV SW Ahle ist einer von rund 20 Teilnehmern, die ab 11.30 Uhr das Finale im Diskuswurf bei den Paralympics in London bestreiten. Als aktueller Weltrekordinhaber gehört der gebürtige Pfälzer zum engeren Kreis der Favoriten auf den Olympiasieg.

Das Abenteuer London begann für den 27-Jährigen gestern Nachmittag am Flughafen Hannover. An Bord einer Maschine der British Airways machte sich Dietz auf den Weg in Englands Hauptstadt, wo am Mittwoch ab 22 Uhr die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele für körperlich behinderte Sportler beginnt. "An der Eröffnungsfeier werde ich natürlich zusammen mit den anderen deutschen Athleten teilnehmen, darauf freue ich mich ganz besonders", sagt Dietz, der sich in den vergangenen Wochen unter anderem mit einem zehntägigen Trainingslager in der Sportschule Kienbaum bei Berlin intensiv auf den Wettkampf vorbereitet hat. 

"Wir haben dort jeden Tag trainiert", so Dietz, dessen Anfang Juli erlittene Verletzung an der Schulter seines Wurfarms mittlerweile kaum noch Probleme bereitet. "Die Sehne war aufgrund der hohen Belastung mit den vielen Würfen stark gereizt, doch die Beschwerden sind inzwischen abgeklungen", sieht Dietz dem Wettkampf optimistisch entgegen. 

Überhaupt wirkt der ehemalige Nachwuchstorhüter des 1.FC Kaiserslautern, der seit einem schweren Autounfall vor acht Jahren halbseitig gelähmt ist, vor der Abreise nach London relativ gelassen und setzt sich nicht unter Erfolgsdruck, obwohl er mit seiner im Juni dieses Jahres erzielten Weltrekordweite von 38,62 Metern zu den heißen Anwärtern auf den Olympiasieg zählt. "Ich möchte einfach meine bestmögliche Leistung abrufen und wenn es gut läuft, die 40-Meter-Marke knacken. Wenn dann jemand weiter wirft, ist das auch in Ordnung", sagt Dietz, der bei der Weltmeisterschaft in Neuseeland im Vorjahr den fünften Platz belegt hatte. Im Kugelstoßen landete er dort sogar auf Rang vier. "Leider gehört Kugelstoßen aber nicht zum paralympischen Programm, so dass ich mich auf das Diskuswerfen konzentriert habe", wäre der in Herford wohnende Dietz gern noch in einem weiteren Wettbewerb gestartet.

Prominente Unterstützung erhält Dietz in London von Steffi Nerius, der Speerwurf-Weltmeisterin von 2009, die als Blocktrainerin der Wurfdisziplinen zum Trainerstab des deutschen Teams gehört. Sein Heimtrainer Alexander Holstein aus Bad Salzuflen wird dagegen nicht vor Ort sein. Umfangreiche Trainingseinheiten vor Ort hat Dietz aber bis zum Wettkampf am Montag ohnehin nicht mehr eingeplant. "Ich werde jeweils ein lockeres Programm mit einigen Aufwärmübungen und etwas Gymnastik absolvieren", erläutert Dietz. "Steffi Nerius hat zu mir einmal gesagt: Wer so kurz vor dem Wettkampf noch am Wettkampfort intensiv trainiert, hat Angst", möchte der 27-jährige ausgeruht und frisch das Finale bestreiten.

Am Fernsehgerät mitfiebern werden auch die Landesliga-Fußballerinnen des SC Enger, die Dietz seit dieser Saison trainiert. "Die Mannschaft steht da voll hinter mir, über die Unterstützung bin ich echt froh", freut sich Dietz. "Im Gegensatz zum Mannschaftssport Fußball ist man bei der Leichtathletik manchmal sehr auf sich allein gestellt."

Nach seinem Wettkampf wird der Diskuswerfer noch bis zum Ende der Spiele in London bleiben und am 10. September zurückkehren. "Das ist alles vom Deutschen Behindertensport-Verband organisiert worden", so Dietz. "Leider fahren wir aber nicht wie die Athleten der Olympischen Spiele mit dem Schiff zurück."

 

 



Sebastian Dietz  |  info@dietzsebastian.de